Barockkonzert: Eine musikalische Reise nach Italien

Hochsommerliche, italienische Temperaturen und ein angenehm kühles Kirchenrund geben die Grundstimmung für dieses besondere Konzert wieder

Die helle Stimme von Matthias Sacher hallt durch den runden Kirchenraum – es ist fast unwirklich. Sacher singt als Countertenor die hohe Alt- oder Sopranstimme beim Barockkonzert in der evangelischen Kirche am Herrenwingert am vergangenen Samstagabend.

Rund zwei Dutzend Zuhörer sind gekommen, um Werke von Frescobaldi, Monteverdi, Scarlatti oder Händel zu hören. Allesamt Alte Meister der Barockmusik.

Neben Countertenor Matthias Sacher singt die Sopranistin Katja Heydegger als Solistin. Begleitet werden die beiden von Hans-Peter Glimpf an seinem selbstgebauten Cembalo und von Wolfgang Mader auf seiner italienischen Traversflöte.

Musik, die ins Herz zielt

„Diese Musik geht mir direkt ins Herz“, erzählt Sopranistin Katja Heydegger nach dem Konzert. „Es geht um Lebensfreude, um Pracht und Eleganz. Wenn ich singe, spüre ich den Tiefgang der Musik.“ Das nimmt man der Musikerin sofort ab, die das ganze Konzert mit einem charmanten Lächeln absolviert.

Alle Musiker verstehen es mit ihrer Stimme und mit ihren Instrumenten die Zuhörer in ihren Bann zu ziehen. Mehr als ein Dutzend Barockstücke stehen auf dem einstündigen, abwechslungsreichen Programm. Immer wieder ist begeisterter Beifall aus dem Publikum zu hören.

„Es macht mir einfach Spaß so hoch zu singen“, erzählt Countertenor Matthias Sacher. „Sopran hat was.“ Dabei hat Sacher als Jugendlicher im Stimmbruch sogar Bass gesungen. Langsam hat er seine Stimme dann zum Tenor, Alt und zum Sopran weiterentwickelt.

Countertenöre singen heute die Stimmen, die früher Kastraten gesungen haben.

Vom 16. bis 18. Jahrhundert durften Frauen in weiten Teilen Italiens öffentlich nicht sängerisch auftreten. Deshalb übernahmen in der Oper Männer die Frauenrollen. Um die hohen Stimmlagen singen zu können, wurden viele Jungen damals im frühen Alter kastriert, damit sie auch als Erwachsene mit einer hohen Stimme singen konnten.

Diese Zeiten sind zum Glück vorbei. Dafür gibt es heute Countertenöre wie Matthias Sacher, die durch ihre ausgebildete Kopf- oder Fallsettstimme so hohe Töne singen können. Den Zuhörern gefällt das und sie verabschieden die vier Musiker mit einem lang anhaltenden Applaus.

Text und Fotos: Martin Riebe

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