Himmel un Ähd: Ist das Kunst oder kann das weg?

Was wünschen sich die Alfterer Bürger wirklich? Alanus-Studenten sammeln Antworten und Ideen.

Eine Spaziergängerin nutzt den Platz für sich und ihren Hund.

Eisbahn oder Kunstwerk oder beides? Viele Besucher stehen heute ratlos auf dem Parkplatz am Herrenwingert und schauen auf den leeren Platz. Gleich nebenan wird heftig über die Frage der Nutzung des Parkplatzes diskutiert.

Architekturstudenten der Alanus Hochschule haben den Platz, wo sonst dutzende Autos stehen, vollständig mit Silberfolie ausgelegt. „Wir wollen zeigen, wie viel Raum hier im Ort ist, der gestaltet werden kann“, erklärt Prof. Benedikt Stahl, Fachbereichsleiter Architektur der Alanus Hochschule in Alfter. „Diese Fläche mitten im Ort ist ein richtiger Schatz.“

Haben viel Platz heute auf dem Parkplatz: mehrere Dutzend Bürger und Architekturstudenten, Bürgermeister Dr. Rolf Schumacher und Prof. Benedikt Stahl, Fachbereichsleiter Architektur an der Alanus Hochschule.

Am frühen Sonntagmorgen hatten die Architekturstudenten den Parkplatz mit einer dünnen silbernen Folie ausgelegt, in der sich der Himmel spiegelt. Mit diesem Himmelsspiegel wolle man „den Himmel auf die Erde bringen“, erklärte Benedikt Stahl weiter, und eine Einladung aussprechen an alle Alfterer Bürger, sich an der Diskussion über die Gestaltung des Parkplatzes zu beteiligen. „Wir machen hier nichts weg, sondern wollen herausfinden, was die Bürger sich tatsächlich wünschen“, konkretisiert Stahl das Anliegen seines Studienganges.

Eine Architektur-Studentin des Masterstudiengangs erklärt eines der zehn ausgestellten Gestaltungs-Modelle.

Zum Diskutieren und Sammeln der Ideen haben die Architektur-Studenten eine Ausstellung in einem bisher leerstehenden Ladenlokal in der Ladenzeile am Herrenwingert entwickelt. Dort zeigen sie anhand von 10 Modellen, wie man den Parkplatz umgestalten könnte und fragen: Was halten Sie davon? Die angeregten Diskussionen, die heute stattfanden, lassen weitere spannende Debatten erwarten. So gingen die Meinungen von „das brauchen wir gar nicht, das kann weg“ bis „finde ich ganz toll“, doch ziemlich weit auseinander.

Vor allem im Internet äußerten sich User ablehnend. „So eine unbegreifliche und unnötige Aktion!“ oder „Dafür wird Geld verschwendet?“ Genauso gab es aber auch positive Reaktionen, die die Aktion erklärten: „Ich persönlich finde es toll, dass solche Aktionen im Ort stattfinden“ oder „Bitte vor dem Meckern informieren.“ 

Prof. Benedikt Stahl von der Alanus Hochschule lädt alle Bürger ein, ihre Ideen und Wünsche in den Prozess einzubringen. Was wünschen sich Alfter Bürger wirklich, fragt er.

Weitere Diskussionen, Anregungen und Wünsche zur Umgestaltung des Herrenwingerts sind ausdrücklich willkommen. Dazu richten die Studenten eine offene Ideen-Werkstatt ein, die im November und Anfang Dezember jeden Donnerstag öffnet. Die nächsten Termine im Ladenlokal im Innenhof der Ladenzeile hinter der Eisdiele finden am 16. / 23. / 30. November und am 7. Dezember jeweils von 9.30 Uhr bis 16.00 Uhr statt. Jeder ist eingeladen, sich einzubringen.

Einer der Entwürfe, der eine Teilbebauung des Platzes vorsieht mit einer Sichtachse auf das Schloss.

Wie es danach weitergeht steht auch schon fest. „Wir fassen die Ideen und Ergebnisse entweder in einem Entwurf oder einer Dokumentation zusammen, erklären Elisa Fiebig und Joana Kochems, zwei Studierende im 3. Semester des Masterstudiengangs Architektur. „Je nachdem, ob sich daraus schon ein Entwurf fertigen lässt oder ob es noch weitere Diskussionen braucht“.

Bürgermeister Dr. Rolf Schumacher wünscht sich einen offenen Dialog über das Potential des Platzes.

Verwaltung und Politik sind jedenfalls schon sehr gespannt auf die weiteren Vorschläge der Studenten und wollen die Ideen und Entwürfe für die Gemeindeentwicklung nutzen. „Wir wünschen uns einen offenen Dialog über das Potential des Platzes“, erklärt Bürgermeister Dr. Rolf Schumacher in seiner Eröffnungsrede. Da kam der Vorschlag einer Kunstaktion auf dem Platz gerade recht. In einer globalen Welt erhalte die Heimat und der Ort, wo man wohne, wieder einen neuen Wert, ergänzt Schumacher.

Ob nun Parkhaus oder italienische Piazza, es bleibt spannend, wie sich der Parkplatz am Herrenwingert in den nächsten Jahren verändern wird. Jeder einzelne hat es in der Hand, sich in diesen Prozess mit einzubringen.

Die Aktion ist zu Ende: Die Folie kommt auf den Recyclinghof in Bonn.

Die Folie bestand übrigens aus Rettungsdecken, die schon einmal im Einsatz waren. Zum Schluss sammelten die Studenten die Folie wieder ein. Die Reste werden zum Recyceln in den Wertstoffhof in Bonn gebracht.

 

Text und Fotos: Martin Riebe

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