Was Heimat ist, weiß man oft erst, wenn man sie verloren hat

Heimat ist da, wo es so riecht, wie bei Großmutter am Herd

Franzis Steinhauer, Anneliese Wessel, Renate Zöller, Brigitte Emmerich und Andreas Owald (vlnr.)

Renate Zöller will mit ihrem Buch „Was ist Heimat – Annäherung an ein Gefühl“ keine einfache Definition für das Wort „Heimat“ liefern. Das macht sie von Anfang an klar. Vielmehr will sie ein buntes Kaleidoskop von Denkanstößen präsentieren.

Dafür hat sie mit vielen verschiedenen Menschen gesprochen, die alle in ihrem Buch zu Wort kommen. Manche von ihnen habe ihre Heimat freiwillig oder unfreiwillig verlassen, andere sind auch in sie zurückgekehrt.

Ihre Gesprächspartner sind Flüchtlinge, Vertriebene, Exilanten oder Auswanderer. Ihnen gemeinsam ist, dass sie sich in Deutschland aufhalten oder aufhielten. Es sind sehr bewegende Lebensgeschichten darunter: Die einer Frau aus einem Eifeldorf, das von den Alliierten zum Übungsplatz gemacht wurde; eines Wirtschaftsflüchtlings aus Ghana; einer Tochter iranischer Exilanten; einer Bosnierin, die in Deutschland christlich erzogen wurde und als Muslimin zurückkehrte nach Bosnien; eines Kroaten, der verbirgt, dass er Sinto ist, und viele, viele andere.

Sehr bewegend: die Geschichte von Christel aus dem Eifeldorf Wollseifen. Den Krieg hatten die Wollseifener gerade überstanden, da forderte die britische Militärverwaltung im August 1946 die etwa 120 Familien des Ortes auf, das Dorf innerhalb von drei Wochen zu verlassen, um aus dem Ort einen Truppenübungsplatz zu machen. Christel beschreibt wie das Dorf mit der Zeit dem Erdboden gleichgemacht wird und wie die vertriebenen Familien unter der Situation leiden. Sie sollen nie wieder in ihre verlorene Heimat zurück dürfen.

Wer darüber nachdenken möchte, was Heimat für ihn persönlich bedeutet, findet im Buch viele Anregungen, sich mit dem schwierigen Heimatbegriff auseinanderzusetzen. Denn alle Menschen sind irgendwo geboren und leben irgendwo, aber nicht jeder hat eine Heimat.

Renate Zöller lebte nach einem Magisterstudium der Osteuropäischen Geschichte, Germanistik und Slawistik mehrere Jahre in Moskau und Prag und arbeitet jetzt als freie Journalistin.

Eingeladen zur Lesung hatte der Förderverein Buchstützen e.V. Der eingetragene Verein mit inzwischen weit mehr als 100 Mitgliedern sucht stetig weitere Mitstreiter in Alfter, Bonn und darüber hinaus. Mit den eingeworbenen Geldern unterstützt der Verein Projekte der Öffentlichen Bücherei St. Matthäus in Alfter für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und ältere Menschen. Der Förderverein tritt auch selbst als Veranstalter in der Bücherei auf.

Text und Fotos: Martin Riebe

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